Demokratiekonferenz: Demokratie vor Ort – wie Bürgerbeteiligung im Landkreis Dahme-Spreewald gelingt

Erfolgreiche Demokratiekonferenz im Landkreis Dahme-Spreewald: Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft diskutierten über demokratische Streitkultur und entwickelten konkrete Impulse für Bürgerbeteiligung, Kinder- und Jugendbeteiligung sowie Ehrenamt.

Unter dem Titel „Demokratie vor Ort – wie Bürgerbeteiligung im Landkreis Dahme-Spreewald gelingt“ fand am 6. November die diesjährige Demokratiekonferenz der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Dahme-Spreewald statt. Im gut gefüllten Kreistagssaal kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Kommunen, Vereinen und Zivilgesellschaft zusammen, um über die Herausforderungen demokratischer Debatten und die Möglichkeiten einer wirksamen Beteiligung vor Ort zu diskutieren.

Den Auftakt gestaltete die Theaterloge Luckau mit einem Theaterstück, das einen Konflikt aus dem kommunalen Vereinsleben aufgriff. Bei einer Vereinssitzung, zu der der Stadtrat eingeladen worden war, sollte über Fördermittel für einen Fassadenanstrich gesprochen werden. Was als sachlicher Austausch beginnen sollte, entwickelte sich zunehmend zu einer eskalierenden Auseinandersetzung. Gegenseitige Vorwürfe und fehlende Gesprächsbereitschaft verhinderten eine gemeinsame Lösung. Am Ende verließen die Vereinsmitglieder empört den Raum – ein demokratisches Ergebnis blieb aus. Das Stück sorgte nicht nur für einen unterhaltsamen Einstieg, sondern machte das Thema „Defekte Debatten“ unmittelbar erlebbar.

Nach der Begrüßung durch den Bündnisvorsitzenden Stefan Klein und den Moderator Steffen Adam sollte ursprünglich Dr. Julia Reuschenbach mit ihrem Impulsvortrag „Die Demokratie lebt vom Streit“ in das Thema einführen. Krankheitsbedingt musste sie ihre Teilnahme kurzfristig absagen. Die bereits vorbereitete Podiumsdiskussion wurde deshalb erweitert und bildete den inhaltlichen Schwerpunkt des Vormittags.

Unter der Moderation von Steffen Adam diskutierten Stefan Klein (Perspektive der Verwaltung), Olaf Schulze (Perspektive der Politik), Thomas Thiele (Perspektive der Zivilgesellschaft) und Frank Nerlich (Perspektive der Kommunen) über die Frage: „Wie schaffen wir es, im Landkreis wieder besser, konstruktiver und demokratischer zu streiten?“. Die Besetzung erfolgte bewusst anhand der jeweiligen Funktionen und der damit verbundenen unterschiedlichen institutionellen Perspektiven. Bis auf eine Person sind alle Diskutierenden zugleich Mitglieder des Bündnisses der Partnerschaft für Demokratie.

Im Gespräch ging es unter anderem um die zunehmende Polarisierung politischer Debatten, die Bedeutung von Öffentlichkeit und Nichtöffentlichkeit, gegenseitige Erwartungen sowie die Frage, wie Konflikte produktiv ausgetragen werden können. Auch die Rolle von Politik und Verwaltung und der Umgang mit unterschiedlichen Interessen wurden thematisiert.

Anschließend waren die Gäste eingeladen, sich selbst aktiv einzubringen. An acht Thementischen zu den Bereichen Ehrenamt, Senioren, Kommunalverwaltung, Kommunalpolitik, Kinder, Jugendliche sowie den Regionen Nord und Süd des Landkreises wurde diskutiert: „Wie werden Debatten mit … geführt?“ und „Wie werden Debatten über … geführt?“. Dabei wurden unterschiedliche Sichtweisen, Erfahrungen, Vorurteile, tatsächliche Hürden und Gegensätze zusammengetragen. Die Ergebnisse bildeten eine wichtige Grundlage für die anschließende Workshoparbeit.

Vom Austausch zu konkreten Veränderungsmöglichkeiten

Am Nachmittag wurde in drei Arbeitsgruppen zu Bürgerbeteiligung, Kinder- und Jugendbeteiligung sowie Ehrenamt gearbeitet. Ziel war es, eine Bestandsaufnahme vorzunehmen, bestehende Stärken und Defizite zu erkennen und daraus konkrete Ansatzpunkte für die weitere Arbeit der Partnerschaft für Demokratie zu entwickeln.

Bürgerbeteiligung – Aus vielen Perspektiven ein WIR machen

Begleitet von Tim Dreier (Sachgebietsleiter Kreistag) und Stefan Klein beschäftigte sich die Arbeitsgruppe mit den bestehenden Möglichkeiten und Erfahrungen der Bürgerbeteiligung. Dabei wurde deutlich, dass es nicht allein darum geht, Beteiligungsangebote zu schaffen. Vielmehr braucht es ein gemeinsames Verständnis und eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und Bürgern. Das zentrale Ergebnis: Aus den unterschiedlichen Akteuren und Perspektiven muss ein gemeinsames „WIR“ werden, in dem Beteiligung als gemeinschaftliche Aufgabe verstanden und gestaltet wird.

Kinder- und Jugendbeteiligung – Mehr mit jungen Menschen statt nur über sie sprechen

Die von Victoria Wolling (Jugendkoordinatorin Kreisjugendfeuerwehr Dahme-Spreewald) und Tino Rückl (Sachbegbietsleiter Jugendförderung, Jugend(sozial)arbeit, Pflegekinderdienst, Adoptionsvermittlung, Jugendhilfe im Strafverfahren) begleitete Arbeitsgruppe stellte fest, dass vielerorts zwar über Kinder und Jugendliche gesprochen wird, jedoch noch zu wenig gemeinsam mit ihnen. Dabei betrifft Beteiligung nicht nur die Kommunalpolitik, sondern ebenso das Vereinsleben, Schulen und weitere Lebensbereiche junger Menschen. Es wurde deutlich, dass es noch erheblicher Anstrengungen bedarf, um Beteiligungsmöglichkeiten auszubauen, junge Perspektiven ernst zu nehmen und tatsächliche Mitgestaltung zu ermöglichen.

Ehrenamt – Ressourcen bündeln und gegenseitige Unterstützung stärken

Im Workshop, begleitet von Jennifer Struck (Koordinierungs- und Fachstelle Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Dahme-Spreewald) und Claudia Schlaier (Volkshochschule Dahme-Spreewald Fachbereichsleitung Politik, Gesellschaft und Umwelt), standen die Herausforderungen ehrenamtlichen Engagements im Mittelpunkt. Dabei wurden fehlende Ressourcen und Informationen als wesentliche Hürden benannt. Gleichzeitig zeigte sich, dass nicht jede Herausforderung durch zusätzliche finanzielle Mittel gelöst werden muss. Vielmehr können gegenseitige Unterstützung und vorhandene Ressourcen einen wichtigen Beitrag leisten: beispielsweise durch Beratung zu Fragen des Vereinsrechts, Materialverleih, Netzwerkarbeit sowie personelle und strukturelle Unterstützung.

Die Ergebnisse werden zum Arbeitsauftrag

Zum Abschluss der Konferenz wurden die Ergebnisse der drei Arbeitsgruppen durch Moderator Steffen Adam in Form kurzer Interviews mit den Workshopbegleitungen im Plenum vorgestellt. Damit wurden die unterschiedlichen Erkenntnisse für alle Teilnehmenden sichtbar und noch einmal gemeinsam zusammengeführt.

Die intensive Beteiligung an den Thementischen und in den Workshops zeigte, wie wertvoll es ist, unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven zusammenzubringen. Die Konferenz lieferte wichtige Erkenntnisse und konkrete Ansatzpunkte, die die Partnerschaft für Demokratie als Arbeitsauftrag in das kommende Jahr mitnehmen wird. Eine ausführliche Auswertung der Ergebnisse wird erfolgen. Darauf aufbauend sollen geeignete Projekte und Unterstützungsangebote entwickelt werden, um erkannte Defizite aufzugreifen und demokratische Beteiligung im Landkreis nachhaltig zu stärken. Zugleich können die Ergebnisse Impulse und mögliche Handlungsaufträge für Politik und Verwaltung liefern.

Der Bündnisvorsitzende Stefan Klein beendete gemeinsam mit Moderator Steffen Adam die Konferenz. Im Anschluss nutzten die Gäste die Gelegenheit zum persönlichen Austausch und zur Vernetzung über die Bereiche Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft hinweg.

Die Partnerschaft für Demokratie bedankt sich bei allen Teilnehmenden für die engagierte Mitwirkung, bei den Workshopbegleitungen für die inhaltliche Arbeit, bei der Theaterloge Luckau für den gelungenen Auftakt und insbesondere bei Steffen Adam für die Moderation und die lebendige Gestaltung des Konferenztages.

Die zentrale Botschaft des Tages bleibt: Demokratie lebt vom Streit – entscheidend ist, dass wir einander zuhören, unterschiedliche Perspektiven ernst nehmen und gemeinsam an Lösungen arbeiten. Denn Beteiligung wird dann wirksam, wenn Menschen erleben, dass ihre Stimme zählt und ihr Engagement etwas bewegen kann.