Förderverein zur Förderung der Staatlichen Gesamtschule KW – „Auf der Suche nach Gerechtigkeit“

Sachbericht zum Projekt „Auf der Suche nach Gerechtigkeit“ von Anja Handschick

Zu Beginn des Jahres 2025 erhielt die Gesamtschule Otto Lilientahl Königs Wusterhausen von der Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung Königs Wusterhausen den Auftrag, 2026 die Veranstaltung zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus durchzuführen. Ziel war es, eine nachhaltige, pädagogisch fundierte und für die Öffentlichkeit zugängliche Form des Gedenkens zu gestalten, die insbesondere die aktive Beteiligung der Schüler*innen fördert.

Ein erstes Brainstorming in der Projektgruppe fand bereits zum Ende des Schuljahres 2024/2025 statt. Das Projekt begann mit der Planung der Gedenkstättenfahrt in das ehemalige Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Diese fand Ende September 2025 (Montag bis Freitag) statt. Ursprünglich war die Teilnahme von 15 Schülerinnen und Schülern vorgesehen, tatsächlich nahmen aufgrund kurzfristiger Änderungen 10 Schülerinnen und Schüler teil.

Während der Fahrt:

  • erhielten die Teilnehmenden eine fachkundige Führung,
  • erarbeiteten eigenständig Inhalte vor Ort,
  • führten Recherchen für die spätere Ausstellung durch.

Die thematischen Schwerpunkte waren:

  • Zwangsarbeit
  • Medizinische Experimente
  • Aufseherinnen im KZ Ravensbrück

Ein besonderer Bestandteil war die Zusammenarbeit mit dem Filmemacher Herrn C. Kernig. Vor Ort unterstützte er die Schüler*innen bei der Entwicklung eines Erklärvideos. Gab Tipps für das Finden interessanter Motive und begleitete die Schüler*innen beim Filmen auf dem Gelände des ehemaligen Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück.

Nach der Fahrt:

Im Anschluss an die Fahrt (Ende September 2025 bis Mitte Januar 2026) erfolgte die Weiterarbeit im Unterricht der Jahrgangsstufe 11 (De-Intensiv-Kurs, DS-Kurs). Die Teilnehmer der Gedenkstättenfahrt teilten Quellen und Materialien, die den Schülern des Jahrgangs 11 zunächst halfen, sich mit dem Thema und den gewählten Themenschwerpunkten auseinanderzusetzten. Im Laufe der Erarbeitung entstanden die verschiedensten Ideen für die Ausgestaltung der Ausstellung mit unterschiedlichsten Schautafeln, Installationen, Kunstobjekten sowie Begleittexten und der Titel für die Ausstellung: „Auf der Suche nach Gerechtigkeit“.

Basierend auf den Rechercheergebnissen entwickelte sich im DS-Kurs 11 die Idee zur Umsetzung eines sog. Lauftheaters in Form einer Storyline dreier junger Frauen, die als Aufseherinnen im Frauenkonzentrationslager tätig waren und sich schließlich nach 1945 vor Gericht für ihre Taten verantworten mussten. Namen und Orte wurden dabei frei erfunden basierten jedoch auf den Recherchen in Ravensbrück. Das Lauftheater lief ebenfalls unter dem Titel „Auf der Suche nach Gerechtigkeit“.

In einem weiteren Termin in der Schule sichtete C. Kerning, Filmemacher, gemeinsam mit den Teilnehmenden der Gedenkstättenfahrt das in Ravensbrück entstandene Material und begann mit ihnen den Filmschnitt. Die Fertigstellung des Erklärvideos erfolgte anschließend eigenständig durch einen Schüler der Jahrgangsstufe 11.

Ergänzend wurden durch Herrn S. Stielke 20 sogenannte Peer-Guides ausgebildet, die Besucher durch die Ausstellungsräume führen sollten. Die Peer-Guide-Ausbildung fand an zwei Terminen statt (24.11.25 und 19.01.2026). Schwerpunkte der Workshops waren: Körpersprache und Präsenz, Storytelling, Kommunikation und Umgang mit Besuchern, Ablauf einer Führung planen, Zeitmanagement und Museumsregeln kennen. Während es beim ersten Besuch von Herrn Stielke v.a. um die Vermittlung theoretischen Wissens ging, war der zweite Workshop von Rollenspielen und Mini-Probenführungen mit Feedback geprägt.

Parallel zur eigentlichen Projektarbeit entstanden weitere Beiträge zum Gedenktag:

  • Der Kurs Darstellendes Spiel unter Leitung von Frau Hermann (Jahrgang 13) erarbeitete eigenständig eine Performance, die am 27. Januar 2026 als Abschluss präsentiert wurde.
  • Ebenso entwickelte der Musikkurs von Frau Streicher der Jahrgangsstufen 12 und 13 unabhängig vom Projekt einen musikalischen Beitrag für die Gedenkveranstaltung.
  • Eine kleinere Schülergruppe der 12. Klassen gestaltete unter Leitung von Frau Müller-Tanne eine Fotostrecke in Form einer Timeline, die den Eingangsbereich der Ausstellung zierte.
  • Die Ergebnisse der Projektwoche der 10. Klassen wurden ebenfalls im Foyer ausgehängt.
  • Einige Zeichnungen aus dem Kunstunterricht von Frau Weber wurden ebenfalls im Schulhaus ausgehängt.

2.2 Zielerreichung

Die gesetzten Projektziele wurden weitgehend erreicht:

  • Eine umfangreiche Ausstellung wurde konzipiert und umgesetzt.
  • Ein Lauftheater wurde erfolgreich erarbeitet und präsentiert.
  • Zusätzliche künstlerische Beiträge (Theater, Musik, Fotostrecke, Schülerzeichnungen) erweiterten das Gesamtprogramm.
  • Schüler*innen arbeiteten eigenständig und vertieft an historischen Themen.
  • Die Öffentlichkeit wurde durch zwei Präsentationstermine (Generalprobe 26.01.26 und Tag des Erinnerns 27.01.2026) einbezogen.

Einschränkungen ergaben sich durch:

  • geringere Teilnehmerzahl bei der Gedenkstättenfahrt
  • zeitliche Verdichtung in der Umsetzungsphase
  • begrenzte organisatorische und räumliche Ressourcen im Anschluss an das Projekt

Insgesamt kann das Projekt jedoch als sehr erfolgreich bewertet werden.

3. Ergebnisse

Das Projekt führte zu mehreren konkreten Ergebnissen:

Ausstellung „Auf der Suche nach Gerechtigkeit“

  • Drei thematische Ausstellungsräume:
    • Aufseherinnen
    • Medizinische Experimente
    • Zwangsarbeit
  • Gestaltung mit Schautafeln, Objekten und eigenständig erarbeiteten Materialien
  • Durchführung von Führungen durch ausgebildete Peer-Guides

Lauftheater

  • Entwickelt im Kurs Darstellendes Spiel (Jahrgang 11)
  • Inhalt: Lebensweg von drei Aufseherinnen
    • von der Bewerbung
    • über ihre Tätigkeit
    • bis zur Verurteilung nach dem Zweiten Weltkrieg

Medienprodukt

  • Erklärvideo, eigenständig durch Schüler fertiggestellt

Weitere künstlerische Beiträge

  • Performance des Kurses Darstellendes Spiel (Jahrgang 13)
  • Musikalischer Beitrag des Musikkurses (Jahrgang 12 und 13)

Präsentationen

  • 26. Januar 2026: Generalprobe vor Publikum (Eltern, Freunde, Lehrkräfte)
  • 27. Januar 2026: Offizielle Aufführung für geladene Gäste der Stadtverordnetenversammlung

Schulinterne Nachnutzung

  • Im Anschluss an den Gedenktag wurden Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 und 10 durch die ausgebildeten Peer-Guides durch die Ausstellung geführt.
  • Auch einzelne Klassen, u. a. aus Jahrgangsstufe 8, besuchten die Ausstellung eigenständig mit ihren Lehrkräften.

4. Ausblick

Die Projektergebnisse bieten grundsätzlich vielfältige Anschlussmöglichkeiten:

  • Weiterverwendung der Ausstellung im schulischen Kontext
  • Einsatz der Peer-Guides für zukünftige Bildungsangebote
  • Integration der Materialien in den Unterricht

Es war geplant, auch umliegende, fußläufig erreichbare Schulen zur Besichtigung der Ausstellung einzuladen. Dies konnte jedoch aus schulorganisatorischen Gründen nicht umgesetzt werden, da die personellen und zeitlichen Ressourcen nach der intensiven Projektphase ausgeschöpft waren.

Zudem nahm der Deutschintensivkurs Kontakt zum Bürgertreff in Königs Wusterhausen auf, um die Ausstellung dort erneut aufzubauen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aufgrund terminlicher Schwierigkeiten konnte hierfür jedoch kein gemeinsamer Zeitraum gefunden werden.

Ein wesentliches Problem stellte die fehlende Möglichkeit dar, die Ausstellung längerfristig in der Schule zu lagern oder zu präsentieren. Da keine geeigneten Räumlichkeiten zur Verfügung standen, musste die Ausstellung schließlich abgebaut werden. Einige Exponate wurden bzw. werden weiterhin sorgfältig verwahrt. Andere Materialien mussten aus Platzgründen leider entsorgt werden. Für zukünftige Projekte wäre es wünschenswert, dauerhafte Präsentationsmöglichkeiten (z. B. in Form einer Vitrine oder eines festen Ausstellungsbereichs) zu schaffen, um die Ergebnisse sichtbar zu halten und die Nachhaltigkeit solcher Projekte zu erhöhen.