Sachbericht zum Projekt „Begegnung baut Brücken“ – Friedrich Kruspe, Jugendkoordinator
Am Projekt -Begegnung baut Brücken- vom 10.10.- 13.10.25 beteiligten sich insgesamt 16 junge Menschen und 4 Pädagoginnen aus dem Landkreis Dahme-Spreewald und der Stadt Rheinbach in Nordrhein-Westfalen.
Die etwas überraschende Gruppenkonstellation ergab sich aus der Tatsache, dass es Verbindungen der Gemeinde Heidesee in die Stadt Rheinbach gibt, die ihren Ursprung nach der Unwetterflut des Jahres 2021 findet. In dieser Zeit halfen Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr aus Heidesee bei den Aufräumarbeiten vor Ort mit. Dabei stand insbesondere das dortige Jugendzentrum Live im Mittelpunkt, dass ebenfalls durch die Fluten vorübergehend nicht mehr nutzbar wurde.
Gleichzeitig wurden in den Gesprächen vor Ort Frustrationserlebnisse der Menschen transparent, die sich sehr kritisch gegenüber politisch handelnden Personen äußerten und die Wirksamkeit und Errungenschaften demokratischen Zusammenlebens begannen anzuzweifeln.
Da entstand die Idee, eine Begegnung zu gestalten, innerhalb derer junge Menschen positive Erlebnisse gelebter Demokratie machen. Die Idee einer Deutsch-Deutschen Jugendbegegnung ward geboren.
Im Rahmen der mehrtägigen Jugendbegegnung trafen sich also Jugendliche aus dem Jugendzentrum Live in Rheinbach (Nordrhein-Westfalen) und Jugendliche aus der Gemeinde Heidesee (Landkreis Dahme-Spreewald).
Ziel war es, die Dynamiken einer Jugendbegegnung im Allgemeinen zu nutzen und junge Menschen Demokratie als lebendigen, gestaltbaren Prozess erleben zu lassen. Dabei konnten die Teilnehmenden ihre politischen und gesellschaftlichen Handlungskompetenzen stärken und Räume für vielfältigen, respektvollen Austausch erleben.
Als Durchführungsort wurde das Jugendbildungszentrum Blossin e. V. gewählt. In der Bildungsstätte beteiligten sich die jungen Menschen am interaktiven Workshop „Jugendzentrum“ und einer Präsentation „Was kann Populismus“. In anschließenden Diskussionen wurden die Möglichkeiten demokratischer Gesellschaften mit den Teilnehmenden reflektiert. Freie Meinungsäußerung, Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit, Beteiligung wurden bspw. genannt. Gleichzeitig wurden sehr lange Umsetzungszeiten als hinderlich beschrieben, was insbesondere die Teilnehmenden aus Rheinbach so erlebt hatten. Bei der Frage, welche Gesellschafsform sie, denn nach ihren eigenen Erlebnissen vor Ort, sowie des Workshops bevorzugen, gab es ein deutliches Votum für die freiheitliche demokratischen Grundordnung wie wir sie in Deutschland leben, auch wenn diese Schwächen hat.
Damit sich die Gruppe besser kennenlernt wurden immer gemischte Kleinteams gebildet innerhalb derer sie zusammen agierten. Das war bei den Workshops so, bei den kooperativen Outdoor-Übungen aus der Erlebnispädagogik, aber auch während der Berlin-Exkursion und den aktiven Workshops der Feuerwehr in Heidesee.
Die gesamte Gruppe besuchten in Berlin das Denkmal für die ermordeten Juden Europas am Potsdamer Platz mit anschließenden Gesprächen und Reflexion in der Gruppe zu den Erlebnissen und Gefühlen, die bei den Teilnehmenden entstanden sind. Ebenso wurde die Frage besprochen, wie es dazu kommen konnte, welche gesellschaftlichen Haltungen dafür benötigt werden und ob es aus Sicht der Teilnehmenden Dinge gibt, die das Verrutschen von demokratischen Verhältnissen begünstigen oder verhindern.
Weiterhin wurde der Tränenpalast am Bahnhof Friedrichstraße als Denkmal der Deutschen Teilung und Begegnung besucht. Auch dort wurde der Brückenschlag zu gesellschaftlichen Haltungen der Vergangenheit und der Gegenwart reflektiert und welche Möglichkeiten der Diplomatie es geben kann. Dabei wurde insbesondere der Fokus auf Kommunikation bei Stress unter jungen Menschen gelegt und welche Möglichkeiten der Diplomatie dort aus ihrer Erfahrung zum Einsatz kommen.
Neben weiteren Spots stand abschließend das Festival of lights als kulturelles Highlight im Mittelpunkt der Abendgestaltung.
Am folgenden Tag ging es darum engagierte Akteure der Gemeinde Heidesee zu besuchen und mit ihnen über ihr ehrenamtliches Engagement mit gesellschaftlichen Auswirkungen ins Gespräch zu kommen. Dabei wurden die Feuerwehren in den Ortsteilen Friedersdorf und Prieros besucht, mit gleichzeitigem aktiven Feuerlöschangriff und Rundgang in den Wehrhäusern mit vielen praktischen Erfahrungsmöglichkeiten.
Im Jugendclub Prieros konnten die Teilnehmenden beim Billard und Dart ein wenig in die Möglichkeiten des Lebens der Heideseer Jugendlichen eintauchen und erfuhren was die Jugendlichen vor Ort beschäftigt.
Am letzten Tag zeigten die Teilnehmenden aus Heidesee ihre Lernbedingungen an der Grund- und Oberschule in Friedersdorf und gaben einen Einblick in ihren Alltag.
Die Reflexion des gesamten Projektes durch die Teilnehmenden ergab, dass es zu wenig Zeit zur Verfügung stand, um die vielfältigen Eindrücke und Erfahrungen emotional verarbeiten zu können. Die Jugendlichen aus Rheinbach fanden die Einblicke in das Leben der Jugendlichen aus Heidesee spannend und wie es gelingt Gemeinschaft im ländlichen Bereich zu gestalten. Die Exkursion nach Berlin hat bei den meisten Teilnehmenden einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Insbesondere die Erfahrungen an den geschichtsrelevanten Orten blieben hängen. Auch für die Teilnehmenden aus der Region gab es neue Erlebnisse und gleichzeitig konnten sie als Peers in den Gesprächen der Kleingruppe ihr Wissen teilen.
Eine Abschlußpräsentation in der geplanten Form konnte aufgrund des erloschenen Zeitbudgets nicht mehr stattfinden. Die Ergebnisse wurde in der Großgruppe durch Aufstellungsarbeit mit „Sprechknopf“ für alle Teilnehmenden sichtbar gemacht und reflektiert.
Eine Rückbegegnung wäre wünschenswert und wurde von der Mehrheit der Teilnehmenden begrüßt.







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